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Wann wird es endlich wieder …

Julia Dombrowski betrachtet den Sommer 2017, in dem sich alle wieder mal einig waren: Früher war alles besser.

Bild oben: (Foto: ©edwardderule – stock.adobe.com)
Haben Sie die­sen Som­mer auch geschimpft? Weil es nicht richtig warm war, weil es zu oft gereg­net hat, weil frühere Som­mer noch echte Som­mer waren – im Ge­gen­satz zu heute?
Haben Sie die­sen Som­mer auch ent­n­ervt die Au­gen gerollt? Weil jed­er Blick in die sozialen Me­di­en Ih­nen Dutzende Fuß-Sel­fies Ihr­er Fre­unde, Bekan­n­ten und Kol­le­gen aufgezwun­gen hat, die sie im Stran­dur­laub ge­macht haben?
Haben Sie die­sen Som­mer auch en­trüstet den Kopf geschüt­telt? Weil es ein Som­mer des poli­tischen Wah­lkampfs hätte sein sollen, aber die potenziellen Wah­lkämpfer ver­sch­narcht und wie in Zeitlupe agierend wirk­ten? So als wäre den Pol­i­tik­ern zu warm für en­er­gischen Kampf, doch dabei gibt es ja gar kei­nen Som­mer mehr, das kann ei­gentlich nicht sein. Oder als wür­den sie mehr Zeit damit ver­brin­gen, ihre Füße am Strand für Face­book zu fo­to­gra­fieren, als sich in bis­sige De­bat­ten zu wer­fen.
Früher war alles bess­er, so­gar das Sch­witzen. Früher war der Som­mer heilig, das kon­nte man an der Zahl der ent­ste­hen­den Fo­tos messen. Ein Film für die Klein­bild­kam­era hatte 24 Bilder, und bei je­dem wurde sorgfältig über­legt, welch­es Mo­tiv zwischen Ju­ni und Au­gust es ab­bil­den durfte. Die teuren Filme mit 36 Bildern wur­den nur in Aus­nah­me­fällen angeschafft, wenn ein 50. Ge­burt­s­tag in die Som­mer­mo­nate fiel. Wer beim Grup­pen­bild mit dem Ju­bi­lar zufäl­lig ger­ade gegäh­nt hatte, muss mit dem verunglück­ten Fo­to noch heute leben. Die En­twick­lung der Auf­nah­men war so wertvoll wie der abgelichtete Mo­ment selbst. Das wieder­holte man nicht ein­fach leicht­fertig. Früher wusste man die Einzi­gartigkeit eines Som­mer­mo­ments noch zu schätzen.
Früher waren auch Ur­laube wertvoller. Man musste dafür richti­gen Ein­satz zei­gen. Auf der en­gen Rück­bank der nicht kli­ma­tisierten Fam­i­lien­li­mou­sine ging es den ganzen Weg run­ter bis nach Italien, links man selbst, rechts die Sch­west­er und dazwischen eine Reise­tasche ge­quetscht, die nicht mehr in den Kof­fer­raum ge­passt hatte. Und man fuhr den ganzen Weg bis nach Ri­mi­ni in einem Rutsch durch, dazwischen bloß mal Pinkel­pausen mit einem Salami­brot im Ste­hen, denn Vati hatte den Ehrgeiz, überm Bren­n­er zu sein, noch bevor „die ganzen Idioten“ ihn ver­s­topfen wür­den. Der Bren­n­er war trotz­dem im­mer ver­s­topft, auch mit
einem selbst.
Heute steigt man in den Bil­ligflieger und fliegt für 20 Eu­ro plus Steuern und Ge­bühren nach Kre­ta. Das ist kein richtiger Ein­satz, da sch­witzt und lei­det man nicht mit dies­er In­brunst wie früher für den Stran­dur­laub. Heute kann man so lei­den­schafts- und an­trieb­s­los in den Ur­laub ger­at­en, als wäre man ein Bun­des­tagswah­lkämpfer im Som­mer 2017.
Haben Sie Ihre Kol­le­gen beim Wied­erse­hen nach dem Jahre­sur­laub auch ge­fragt, wie es war? Der Flieger war zu eng, haben sie bes­timmt ge­sagt, am Ur­laub­sort war es sehr voll, aber endlich mal besseres Wet­ter, in Deutsch­land haben wir ja gar kei­nen richti­gen Som­mer mehr. Mal rauskom­men ist auch wichtig, sagten sie, auch wenn es jedes Jahr ir­gend­wie das Gleiche ist.
Dabei war es früher ja bess­er. Wie kon­nte das nur gesche­hen – dass sich alle im­mer einig sind, dass man je­den Som­mer fast das­selbe er­lebt, aber dass sich alle gleichzeitig auch im­mer einig sind, dass die Som­mer früher noch „echt“ waren?
Jet­zt ist er ja vor­bei: Zehn Mo­nate Herbst und zwei Mo­nate Dauer­re­gen – wenig­stens da­rauf ist Ver­lass. Seit Jahren. Ju­lia Dom­brows­ki | re­dak­tion@nied­er­rhein-ma­n­ag­er.de

Ausgabe 07/2017



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(Foto: ©edwardderule – stock.adobe.com)
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