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Management

Von Digital Natives lernen

Wie Sie die Digitalisierung durch Studieren und Probieren in Ihrem eigenen Unternehmen umsetzen.

Bild oben: Foto: © blende11.photo – stock.adobe.com
Unterneh­men­skul­tur, Start-ups, Ven­ture-Cap­i­tal­ism – dies sind mögliche Ant­worten, die bei der Frage nach dem „Wie“ zu­gleich die sch­wierig­ste Her­aus­forderung für Un­terneh­men im Zusam­men­hang mit In­dus­trie 4.0 und Dig­i­tal­isierung darstellen. In den er­sten bei­den Teilen der Se­rie haben wir Ih­nen gezeigt, warum Dig­i­tal­isierung für Ihr Un­terneh­men notwendig ist und was am besten dig­i­tal­isiert wer­den kann oder muss. In unserem fi­nalen Bei­trag zur dreit­eili­gen Se­rie „Dig­i­tal­isierung im Mit­tel­s­tand“ wollen wir Sie nun mit dem „Wie“ ver­traut machen. Die­s­es ist zwar branchenüber­greifend und von der Größe Ihres Un­terneh­mens un­ab­hängig, allerd­ings ist es, an­ders als das „Warum“ oder „Was“, ein­er langfristi­gen Strate­gie un­ter­wor­fen.

Von Springer ler­nen

Foto: © blende11.photo – stock.adobe.com
Fo­to: © blen­de11.pho­to – stock.adobe.com

Im Hin­blick auf die Um­set­zung Ihr­er Dig­i­tal­isierungss­trate­gie ist das Studieren und Kopieren ein pro­bater und ein­fach­er Weg. Hi­er bi­eten sich zwei grundle­gende An­sätze an. Zum ei­nen kön­nen Sie ei­nen Blick auf die so­ge­nan­n­ten Dig­i­tal Na­tives riskieren, al­so auf jene Un­terneh­men, die erst durch Dig­i­tal­isierung ent­s­tan­den sind und da­durch eben nicht dem klas­sischen Muster eines Un­terneh­mens ent­sprechen, oder das Best Prac­tice bei klas­sischen Un­terneh­men zum Vor­bild neh­men, die bere­its er­fol­greich ei­nen Dig­i­tal­isierungsprozess durch­laufen haben. Ein in der Fach­lit­er­a­tur viel­fach zi­tiertes Vor­bild hi­er­für ist Springer. Das Ver­lagshaus hat vor dem Hin­ter­grund des Anzei­genein­bruchs im Print­geschäft bere­its vor über zehn Jahren mit der Um­set­zung sein­er dig­i­tal­en Strate­gie be­gon­nen. Springer verän­derte hi­er­für seine ge­samte Geschäft­sar­chitek­tur, stärkte die Ba­sis mit mod­ern­er und funk­tio­naler Tech­nolo­gie und hat zu­dem seine Un­terneh­men­skul­tur auf den dig­i­tal­en Wan­del vor­bereit­et. Mit einem auf zehn Jahre fest­gelegten Pro­gramm zeigt Springer, dass die Um­set­zung ein­er Dig­i­tal­isierungss­trate­gie eine gut über­legte Struk­tur und langfristiges Denken benötigt. Die Langfristigkeit beim Ver­lagshaus er­gab sich dabei weniger durch tech­nische Verän­derun­gen als vielmehr durch die Im­ple­men­tierung von Dig­i­tal­isierung in die Un­terneh­men­skul­tur. Wie wichtig und entschei­dend diese ist, lässt sich be­son­ders gut an den Dig­i­tal Na­tives zei­gen.

Un­terneh­men­skul­tur impfen – Start-ups nutzen


Im Ge­gen­satz zu allen tech­nischen Än­derun­gen im Zusam­men­hang mit Dig­i­tal­isierung und In­dus­trie 4.0, bei de­nen die Frage nach dem „Warum“ die Notwendigkeit be­t­rifft und die Frage nach dem „Was“ meis­tens die Prozess- oder Pro­duk­tän­derung, stellt die Frage nach dem „Wie“ im­mer eine Adap­tierung von Dig­i­tal­isierung in Tech­nik und bei der ge­samten Belegschaft sowie in­n­er­halb der Un­terneh­men­skul­tur in das Zen­trum sein­er Ex­per­tise. Denn eine Aus­sage darüber zu tr­ef­fen, wie man et­was än­dert, be­d­ingt Vorstel­lungskräfte für Hand­lung­sop­tio­nen und Möglichkeit­en. Wenn jene allerd­ings nur auf tra­di­tionelle Pro­duk­tion­stech­nolo­gien des 20. Jahrhun­derts zurück­greifen, kann man ein Un­terneh­men nicht dig­i­tal­isieren.
Wer­fen wir hi­er ei­nen Blick auf die Dig­i­tal Na­tives. Von Goo­gle über Airbnb bis zu klei­nen Start-ups – geimpft mit dig­i­taler Un­terneh­men­skul­tur un­ter­schei­den sich diese Or­gan­i­sa­tio­nen in viel­er­lei Hin­sicht von ihren klas­sischen Pen­dants. Das sie­ht man vor allem in den Bereichen Un­terneh­mensver­fas­sung, Mis­sion, Vi­sion oder Ziele. Wollen Sie al­so von den Dig­i­tal Na­tives ler­nen, dann müssen auch Sie die Dig­i­tal­isierung in Ihre Un­terneh­men­skul­tur im­ple­men­tieren. Diese Um­set­zung ist ein sch­wieriger und lang­wieriger Prozess, da oft viele – oft­mals langjährige – Mi­tar­beit­er im Un­terneh­men dabei sind, die mit Dig­i­tal­isierung nie oder nur teil­weise in Berührung gekom­men sind. Vielleicht ar­beit­en Ihre Kol­le­gen aber auch nach dem Prinzip: Nev­er change a run­n­ing sys­tem. Zu­dem gibt es dann noch Mi­tar­beit­er und selbst Abteilungs- oder Bereich­sleit­er und Geschäfts­führ­er, die sich gar nicht für Dig­i­tal­isierung in­teressieren.
Um diese drei Grup­pen nun doch noch in Ihr Boot zu bekom­men, bi­eten sich bei der Dig­i­tal­isierung der Un­terneh­men­skul­tur drei Op­tio­nen. Schu­lun­gen und Work­shops zum The­ma Dig­i­tal­isierung sind ein er­ster An­satz, mit dem man ein Un­terneh­men impfen kann. Bei der dig­i­tal­en Trans­for­ma­tion bekommt zu­dem die ak­tive Kom­mu­nika­tion mit den Mi­tar­beit­ern via In­tranet oder So­cial Me­dia ei­nen ganz neuen Stel­len­w­ert. Auch soll­ten die Mi­tar­beit­er nicht nur über Möglichkeit­en der Dig­i­tal­isierung in­for­miert wer­den, sie soll­ten für die Dig­i­tal­isierung begeis­tert und davon überzeugt wer­den. Neh­men Sie Ihren Mi­tar­beit­ern die Angst da­vor, im Rah­men ein­er dig­i­tal­en Strate­gie un­ter die Räder zu kom­men oder ihre Jobs zu ver­lieren, und er­muti­gen Sie Ihre Belegschaft, den dig­i­tal­en Prozess ak­tiv mitzuges­tal­ten. Eine zweite Op­tion bi­eten hetero­gene Teams aus jun­gen, er­fahre­nen, kul­turell ver­schie­de­nen sowie wei­blichen und männ­lichen Mi­tar­beit­ern. Di­ver­si­ty kann in einem Un­terneh­men ein Sch­lüs­sel für die Dig­i­tal­isierung sein. Der dritte An­satz ergibt sich durch die An­stel­lung neuer Mi­tar­beit­ern ein­er Gen­er­a­tion, die mit Dig­i­tal­isierung aufgewach­sen ist. Die­sen jun­gen Leuten muss man dann aber auch auf Ma­n­age­men­tebene zuhören kön­nen und ih­nen die Möglichkeit geben, dig­i­tale Konzepte im Rah­men der Un­terneh­menss­trate­gie zu en­twick­eln und umzusetzen. Glob­al Play­er wie BMW, 3M und Sie­mens nutzen hi­er auch Ko­op­er­a­tio­nen mit Start-ups. Allein bei Springer beläuft sich deren Zahl auf über 70 Beteili­gun­gen. Diese klei­nen Ein­heit­en, ob ex­tern oder zu 100 Prozent in Un­terneh­men­s­hand, kön­nen wie Dig­i­tal Na­tives agieren. Sie denken an­ders, sind an­ders struk­turi­ert und lösen Probleme mit an­deren An­sätzen. Sie sind los­gelöst von der urei­gen­sten Un­terneh­men­skul­tur und bi­eten dabei ein weit­eres „Wie“ der Dig­i­tal­isierung: den An­satz des Ven­ture-Cap­i­tal­ism.

Ven­ture-Cap­i­tal­ism in der Dig­i­tal­isierung


Un­ter der An­wen­dung von Ven­ture-Cap­i­tal­ism bei der Dig­i­tal­isierungss­trate­gie ver­ste­ht man vor allem die Verknüp­fung von Kap­i­tal an Meilen­steine. Lösen Sie sich von pe­ri­odischen Strate­gie- oder Pla­nungskonzepten und ori­en­tieren Sie sich bess­er daran, ob Ziele er­reicht wur­den; ob zum Beispiel ein Problem hin­reichend gelöst wurde oder ob ein Pro­gramm in die näch­ste Phase ge­hen kann. Soll­ten Sie dabei fest­stellen, dass ein Bud­get ver­braucht, ein Ziel aber nicht er­reicht wurde, dann haben Sie zwei Op­tio­nen. Sie kön­nen sich mit dem ve­r­ant­wortlichen Team zusam­menset­zten, das Geschäft­skonzept an­passen und das Pro­jekt mit frischem Kap­i­tal weit­er­führen. Oder Sie entschei­den sich, das Pro­jekt einzustellen. In bei­den Fällen und generell gilt natür­lich: In­vestieren Sie nur dann, wenn Sie zum Team Ver­trauen haben und von ein­er Idee überzeugt sind. Sie se­hen, dass das „Wie“ der Dig­i­tal­isierung den sch­wierig­sten und lang­wierig­sten Prozess darstellt. Vergessen Sie dabei aber bitte nicht, dass Dig­i­tal­isierung nicht nur be­deutet, die Wertschöp­fungs­kette zu än­dern. Das Ziel der Dig­i­tal­isierung ist es, den Kun­den in den Mit­telpunkt zu setzen und dabei Pro­dukte und Di­en­stleis­tun­gen um den Kun­den herum zu kon­struieren. Dies be­d­ingt in Zeit­en von In­dus­trie 4.0, dass man in Un­terneh­men kun­denzen­tri­ert denkt und in er­ster Linie die Mit­tel und die Möglichkeit­en der Dig­i­tal­isierung umzusetzen weiß. Die Re­flexion des „Warum“, „Was“ und „Wie“ kann Ih­nen dabei entschei­dend
helfen. An­dré Sarin | re­dak­tion@nied­er­rhein-ma­n­ag­er.de

Ausgabe 07/2017