Schließen TEILEN MIT...

RANKINGS
Schließen
Schließen
Business

Stifte ziehen immer

Auch in Zeiten des papierlosen Büros bleiben Stifte und Papier unverzichtbar. Doch das Geschäftsmodell des Bürobedarfshandels wird zunehmend breiter.

Bild oben: Die Zahl der Büroarbeitsplätze in Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren stark erhöht (Foto: © PhotoSG – stock.adobe.com)
Die Zukunft der Bürobe­darfs-Branche liegt in Min­er­al­wass­er, Kaf­fee und Kek­sen. Zugegeben: Das ist so­wohl verkürzt als auch zuge­spitzt for­muliert. Den­noch ist et­was daran, zu­min­d­est nach Aus­sage von Tho­mas Grothkopp, Geschäfts­führ­er des Han­delsver­bands Büro und Schreibkul­tur (HBS), der Teil des Han­delsver­bands Woh­nen und Büro (HWB) ist. Ge­fragt nach den Zukunft­strends, nen­nt er zunächst beispiel­sweise Reini­gungs­mit­tel – „stel­lvertre­tend für alle Pro­dukte des Büro­be­triebs, die nicht im Fokus der Beschaf­fung ste­hen“. Zuneh­mend werde von Bürolie­fer­an­ten zu­dem die Ver­sor­gung mit Getränken, Snacks und Obst über­nom­men. „Hi­er gibt es in­teres­sante Net­zw­erke, in die auch der Lebens­mit­tel­han­del einge­bun­den ist.“ Grund­sät­zlich ver­breitere der Fach­großhan­del kont­inuier­lich seine in­di­vi­du­elle Ange­bots­ba­sis.

17,5 Mil­lio­nen Büroar­beit­s­plätze

Die Zahl der Büroarbeitsplätze in Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren stark erhöht (Foto: © PhotoSG – stock.adobe.com)
Die Zahl der Büroar­beit­s­plätze in Deutsch­land hat sich in den ver­gan­ge­nen Jahren stark er­höht (Fo­to: © Pho­toSG – stock.adobe.com)

„Die gute Kon­junk­tur in Deutsch­land gleicht mit ihr­er Nach­frage die Fol­gen der laufen­d­en Dig­i­tal­isierung aus“, be­tont Grothkopp. Die Um­sätze der Branche seien da­her sta­bil. „Ver­schie­bun­gen gibt es na­turgemäß zwischen den Sor­ti­men­ten. So haben wir bei Reg­i­s­tra­t­u­rar­tikeln schon lange ei­nen über­pro­por­tio­nalen Rück­gang, be­d­ingt durch die dig­i­tale Archivierung, auf die sich auch einige Di­en­stleis­tung­sun­terneh­men der Bürowirtschaft spezial­isiert haben. Er­freulich ste­hen die Schreibgeräte­sor­ti­mente da, mit In­no­va­tio­nen, schönem De­sign und weit­er verbessert­er Tech­nik.“
Laut Hochrech­nung der IFH Re­tail Con­sul­tants Köln (IFH) hat die PBS-Branche (Pa­pi­er, Bürobe­darf und Schreib­waren) im Geschäft­s­jahr 2016 ein knappes Um­satz­plus von 0,5 Prozent erzielt. Das Branch­en­ergeb­nis liegt bei et­wa 12,5 Mil­liar­den Eu­ro (mit Um­satzs­teuer). Bei den Teilmärk­ten wie Bürokom­mu­nika­tions­pa­piere oder Druck­erver­brauchs­ma­te­rialien ist ein Rück­gang von 1,2 Prozent zu verzeich­nen.
Den zuneh­mend dig­i­tal­en Beschaf­fungs- und Ab­satzprozessen des bürowirtschaftlichen Han­dels spielt die Dig­i­tal­isierung in die Hände. „Seit bald 20 Jahren hat die Branche eine Platt­form, auf der Ar­tikel­dat­en dig­i­tal bere­it­gestellt wer­den, wo der Date­naus­tausch mit ein­er Vielzahl von For­mat­en abgewick­elt wird“, so der Ver­band­schef. Das mache es möglich, die Prozess­kette lück­en­los dig­i­tal darzustellen, und trage zu dem ho­hen Ser­vice­grad bei. „Allerd­ings ge­ht die­s­es mit einem harten Wett­be­werb ein­her, denn im­mer mehr Leis­tungs­bausteine wer­den von im­mer mehr Han­del­sun­terneh­men be­herrscht. Früher waren eu­ropäische oder in­ter­na­tio­nale Han­del­skonz­erne der Bürowirtschaft durch ihre Größe im Vorteil, und weil sie von großen Nach­fragern her­aus­ge­fordert wur­den.“

Ho­her deutsch­er Qual­ität­san­spruch

Thomas Grothkopp ist Geschäftsführer des Handelsverbands Büro und Schreibkultur (HBS)
Tho­mas Grothkopp ist Geschäfts­führ­er des Han­delsver­bands Büro und Schreibkul­tur (HBS)


Heute ist die Zahl der „in­ter­na­tio­nalen Play­er" nach zahl­reichen Fu­sio­nen Grothkopps Aus­sage zu­folge „sehr über­sichtlich“ ge­wor­den. Dafür hät­ten die „mit­tel­ständischen, na­tio­nalen Play­er“ in den ver­gan­ge­nen Jahren ihre Po­si­tion wied­er aus­ge­baut. Sie hät­ten die Syn­ergie­ef­fekte der Ko­op­er­a­tion genutzt. „In der Branche gibt es aktuell fünf Ver­bund­grup­pen des Einzel- und des Großhan­dels mit stetig stei­gen­den Leis­tungsange­boten, die zuneh­mend vom Han­del in An­spruch genom­men wer­den.“
Welche Rolle spielt da noch „made in Ger­many“? Grothkopp: „Die deutschen Bürobe­darf­sh­er­steller hat­ten im­mer schon eine her­aus­ra­gende Be­deu­tung. Selbst wenn einige von ih­nen in­zwischen in­ter­na­tio­nale Ge­sellschafter haben und in einem in­ter­na­tio­nalen Ver­bund von Marken tätig sind, spielen ‚made in Ger­many‘ und der ho­he deutsche Qual­ität­san­spruch weit­er­hin eine be­deu­tende Rolle.“ Ger­ade der in­teres­sante Markt der Schreibgeräte werde von starken deutschen Marken­her­stellern do­miniert, die über­wie­gend in Deutsch­land ferti­gen und ein her­vor­ra­gen­des Mar­ket­ing be­treiben. „Für sie ist die mit­tel­ständische Han­delsstruk­tur in Deutsch­land mit sei­nen Schreib­warengeschäften und Pa­pe­te­rien wie auch der Streck­en­han­del, wie die B2B-Fach­großhändler ge­nan­nt wer­den, von großer Be­deu­tung.“ Welche The­men beschäfti­gen seine Mit­glied­er und deren Kun­den derzeit be­son­ders? Lie­fer­un­gen am Fol­ge­tag der Bestel­lung seien heute schon Stan­dard. „Es ge­ht vielmehr um kom­fort­able elek­tronische Ka­t­a­loge und On­li­neshops. Größere Un­terneh­men er­warten kun­denin­di­vi­du­elle Shops, in de­nen ein vere­in­bartes Sor­ti­ment dargestellt ist, wo Mi­tar­beit­er und Abteilun­gen selb­ständig auf ihre Kosten­stelle hin bestellen kön­nen.“ Bei Großun­terneh­men ge­he es um die dig­i­tale Ein­bin­dung des Han­dels in die Prozesse, „E-Pro­cure­men­t“ ge­nan­nt. Natür­lich spiele eben­falls das Ausschrei­bungs­geschäft eine Rolle, das in­zwischen auch von mit­tel­ständischen Händ­ler­grup­pen pro­fes­sionell be­herrscht werde.

Be­wusst­sein für Umweltschutz

Auch wenn das papierlose Büro noch Zukunftsmusik ist, sind Computer und Smartphones heute auf den meisten Schreibtischen zu finden (Foto: © Halfpoint – stock.adobe.com)
Auch wenn das pa­pier­lose Büro noch Zukunfts­musik ist, sind Com­put­er und Smart­phones heute auf den meis­ten Schreibtischen zu fin­d­en (Fo­to: © Half­point – stock.adobe.com)

Tho­mas Grothkopp be­tont die Vielzahl von Han­dels­marken neben den Her­steller­marken. „Wenn es um den Preiswett­be­werb ge­ht, kom­men die Han­dels­marken ins Spiel: Große Händler und insbe­son­dere die Genossen­schaften und Sys­tem­großhändler führen Ei­gen­marken, welche die rel­e­van­ten Pro­dukte und Sor­ti­mente um­fassen.“ Damit wür­den die oft­mals notwendi­gen Preis­punkte be­di­ent, die im Wett­be­werb und be­son­ders in den Ausschrei­bun­gen ge­fordert wür­den. Es han­dele sich um über­wie­gend eu­ropäische Pro­duk­tio­nen auf einem „angemesse­nen Qual­itäts­s­tan­dard“, die in oft großer Stück­zahl hergestellt wür­den.
Vor allem wenn von Pa­pi­er die Rede ist, liegt die Frage nach dem Umweltschutz na­he. Es gibt den „Blauen En­gel“ für Büro- und Schul­pro­dukte. Aktuell haben sich führende Un­terneh­men erneut zu die­sem Öko-Siegel bekan­nt. Das Be­wusst­sein für den Schutz der Umwelt ist nach An­sicht des HBS-Geschäfts­führ­ers in der Branche größer als bei den End­kun­den. „Nach­haltige Pro­dukte müssen oft ak­tiv verkauft wer­den, ob­wohl sie preis­lich nicht zwangs­läu­fig höher lie­gen.“ Er­freulicher­weise gebe es auch Un­terneh­men, die all­ge­meine Nach­haltigkeits­s­tan­dards einge­führt hät­ten und als Einkaufs­grund­lage näh­men. „Diese Fir­men acht­en auf Pro­dukte nach­haltiger Her­stel­lung, vom Roh­stoff über die Ve­rar­bei­tung, die Öko­bi­lanz bis hin zur Frage, was am Ende des Nutzungszyk­lus mit ih­nen passiert.“ Daniel Boss | re­dak­tion@nied­er­rhein-ma­n­ag­er.de

Ausgabe 07/2017