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Titelstory

Flexibilität und Entlastung

Welche Vorteile können die Services von Personaldienstleistern Unternehmen bieten und wie steht die Branche aktuell da? Eine Übersicht.

Bild oben: Foto: ©Coloures-pic – stock.adobe.com
Das Haupt­betä­ti­gungs­feld der Per­so­nal­di­en­stleis­ter – die kurzfristige Ver­mittlung von Ar­beit­skräften – kann Un­terneh­men viel mehr bi­eten als die reine Möglichkeit, auf Pro­duk­tionsspitzen oder Aus­fälle zu reagieren. Es sind vor allem Ef­fekte der Flex­i­bil­isierung, welche den auslei­hen­den Fir­men zugutekom­men. Kosteneins­parun­gen im Per­so­n­al­we­sen und der Ver­wal­tung brin­gen wirtschaftliche Vorteile. Der Entlei­her zahlt sch­ließlich nur die tat­säch­lich geleis­teten Ar­beitss­tun­den der Leihkräfte, während der Per­so­nal­di­en­stleis­ter die Sozial­ab­gaben sowie die Loh­n­fortzah­lun­gen bei Krankheit und Ur­laub übern­immt. Hinzu kommt, dass die be­trie­bliche Or­gan­i­sa­tion eines Un­terneh­mens durch den Ein­satz von Lei­har­beit­ern struk­turell ent­lastet wer­den kann.

Un­verzicht­bares In­stru­ment

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Fo­to: ©Coloures-pic – stock.adobe.com

Seit den 1970er-Jahren ex­istiert die Branche der Per­so­nal­di­en­stleis­ter in Deutsch­land und wächst seit­dem kont­inuier­lich. „Die neuen Zahlen der Bun­de­sa­gen­tur für Ar­beit zu unser­er Branche zei­gen ein­mal mehr, dass sich die Zei­tar­beit par­al­lel zur guten En­twick­lung auf dem Ge­sam­tar­beits­markt be­wegt“, sagte Tho­mas Hetz, Haupt­geschäfts­führ­er des Bun­de­sar­beit­ge­berver­ban­des der Per­so­nal­di­en­stleis­ter (BAP), im Fe­bruar die­sen Jahres. „Für die er­ste Jahreshälfte 2016 weist die BA im Durch­sch­nitt 963.932 Zei­tar­beit­neh­mer aus. Gleichzeitig gab es mit fast 43,5 Mil­lio­nen Er­werb­stäti­gen im Jahr 2016 hi­erzu­lande eine Reko­rdbeschäf­ti­gung.“ Da sei es auch kein Wun­der, dass sich die Zahl der Zei­tar­beit­neh­mer eben­falls leicht er­höht habe. „Trotz­dem ist der An­teil der Zei­tar­beit am Ge­sam­tar­beits­markt weit­er­hin ger­ing: Ihre Quote an der Ge­samtbeschäf­ti­gung lag ger­ade ein­mal bei 2,7 Prozent. Der An­teil der Zei­tar­beit­neh­mer an den sozialver­sicherungspflichti­gen Beschäftigten war mit 2,9 Prozent nur leicht höher, was ganz ein­fach daran liegt, dass in unser­er Branche über­pro­por­tio­n­al mehr Men­schen sozialver­sicherungspflichtig beschäftigt sind.“ Deut­lich werde bei die­sen Zahlen vor allem eins: „Der An­teil der Zei­tar­beit bleibt im Ver­gleich zum Vor­jahreszei­traum na­hezu gleich.“
„Die Flex­i­bil­ität durch Zei­tar­beit­neh­mer ist in ein­er mod­er­nen Wirtschaft enorm wichtig. Be­triebe er­hal­ten durch Per­so­nal­di­en­stleis­tun­gen aber nicht nur pass­ge­nau das von ih­nen benötigte Per­so­n­al, sie müssen auch nicht selbst nach Mi­tar­beit­ern suchen, son­dern kön­nen das Per­so­nal­di­en­stleis­tern über­lassen. Das ist ger­ade für kleine und mit­tel­ständische Un­terneh­men ohne ei­gene Per­so­n­al­abteilung ein nicht zu un­ter­schätzen­der Vorteil“, erk­lärt Tho­mas Hetz. Die Per­so­nal­di­en­stleis­tungs­branche hat in den let­zten Jahren ei­nen Wan­del durchge­macht. Nach­dem sie in der Ver­gan­gen­heit vornehm­lich die Nach­frage um die Ver­mittlung ger­ingqual­i­fiziert­er Hilf­skräfte be­di­ent hatte, ver­s­chob sich der Fokus bald auf die Fachkräfte. Dass Zei­tar­beit nur Ger­ingqual­i­fizierten Beschäf­ti­gungschan­cen bi­etet, war für Tho­mas Hetz vom BAP schon im­mer eher ein Vorurteil, das der Branche an­haftete: „Den klas­sischen Zei­tar­beit­neh­mer gibt es nicht, statt­dessen lie­ferte die Branche im­mer ei­nen Quer­sch­nitt durch die ge­samte Ar­beitswelt. Lageris­ten, Krankenpfleger, Tech­nik­er, Buch­hal­ter, Bürokau­fleute, IT-Tech­nik­er und In­ge­nieure fin­d­en in der Zei­tar­beit Beschäf­ti­gung. Es gibt al­so kaum eine Branche und Berufs­gruppe, die nicht von Per­so­nal­di­en­stleis­tun­gen pro­f­i­tieren kann.“ So ist Zei­tar­beit heute auch bei Akademik­ern eine Op­tion für den Kar­ri­er­es­tart ge­wor­den. Per­so­nal­di­en­stleis­ter bi­eten ih­nen Beschäf­ti­gungsver­hält­nisse an, die sich kaum mehr von Di­rek­tan­stel­lun­gen un­ter­schei­den, wom­it die Be­deu­tung von Zei­tar­beit steigt.

„Kri­tik an Lei­har­beit ve­r­al­tet“


Einige Un­terneh­men un­ter­hal­ten dauer­haft Lei­har­beit­er. Solche Um­stände rie­fen schon im­mer Kri­tik­er in Ge­sellschaft wie Pol­i­tik auf den Plan. Lei­har­beit zie­he eine Prekarisierung von Ar­beit­neh­mern nach sich, führe zu Un­gleich­heit­en und Zwi­e­tracht in der Belegschaft oder sei pure Eins­parungspol­i­tik. „Die Zei­tar­beit hat in den ver­gan­ge­nen Jahren die Löhne in der Branche stetig ange­passt“, sagt dage­gen der Ver­band­schef. Zwischen 2010 und 2016 seien diese im West­en um 22 Prozent und im Os­ten um 32,4 Prozent gestie­gen. Auch hät­ten sich die Tar­if­part­n­er erst im ver­gan­ge­nen Herbst auf die Fort­set­zung der Tar­if­part­n­er­schaft und einem damit bis Ende 2019 gel­ten­den Tar­ifver­trag geeinigt. „Zei­tar­beit­neh­mer in West­deutsch­land er­hal­ten seit 2010 bis zum Ende der Laufzeit ei­nen Lohnzuwachs von 34 Prozent. Im Os­ten liegt der Loh­nan­stieg mit 50,5 Prozent so­gar noch höher. Gleich­falls zahlt die Branche Löhne, die alle­samt deut­lich über dem Min­dest­lohn lie­gen, und bess­er qual­i­fizierte Zei­tar­beit­neh­mer ver­di­e­nen eben­falls mehr.“
Außer­dem habe die Zei­tar­beit auch im ver­gan­ge­nen Jahr wied­er ihre In­te­gra­tions­fähigkeit un­ter Be­weis gestellt: 50 Prozent der Zei­tar­beit­skräfte waren nach An­gaben des BAP bis zu einem Jahr ohne Ar­beit und 18 Prozent so­gar länger als ein Jahr ar­beit­s­los oder noch nie vorher beschäftigt. Damit habe die Zei­tar­beit im er­sten Hal­b­jahr 2016 fast 70 Prozent ihr­er Mi­tar­beit­er aus dem Kreis der­jeni­gen rekru­tiert, die keine Beschäf­ti­gung ge­habt hät­ten. „Solche Zahlen gibt es in keinem an­deren Wirtschaft­szweig in Deutsch­land. Die Zei­tar­beit hat somit ein­mal mehr gezeigt, welch wichtiges In­stru­ment für die Ar­beits­markt­in­te­gra­tion sie ist. Deswe­gen sind die ab April greifen­d­en Reg­ulierun­gen für die Branche kon­trapro­duk­tiv – insbe­son­dere im Hin­blick auf die In­te­gra­tion von Ge­flüchteten in den Ar­beits­mark­t“, so Tho­mas Hetz.
Der Ver­band beruft sich dabei auch auf wis­sen­schaftliche Erken­nt­nisse, wie sie et­wa im Hand­buch „Ar­beits­markt kom­pak­t“ des In­sti­tuts für Ar­beits­markt- und Berufs­forschung (IAB), der Forschung­sein­rich­tung der Bun­de­sa­gen­tur für Ar­beit, aufge­führt wer­den. Bei der Präsen­ta­tion An­fang April erk­lärte IAB-Vizepräsi­dent Dr. Ul­rich Wal­wei, dass „ent­ge­gen der öf­fentlichen Wahrneh­mung die Be­deu­tung des so­ge­nan­n­ten Nor­malar­beitsver­hält­niss­es – Vol­lzeit, un­be­fris­tet, außer­halb der Zei­tar­beit – seit An­fang des let­zten Jahrzeh­nts nicht weit­er zurück­ge­gan­gen sei. Der zu­vor starke Zuwachs atypisch­er Beschäf­ti­gungsver­hält­nisse – Teilzeit oder be­fris­tet oder Zei­tar­beit – habe mehr Men­schen den Zu­gang zum Ar­beits­markt eröffnet, aber nicht das Nor­malar­beitsver­hält­nis ver­drängt.“ Tho­mas Hetz vom BAP meinte dazu: Das Hand­buch bestätige – „wis­sen­schaftlich fundiert“ – wied­er ein­mal, dass die Zei­tar­beit keine Stamm­belegschaften ver­dränge. Ganz im Ge­gen­teil er­leichtere die Zei­tar­beit vielen Men­schen den Zu­gang zum Ar­beits­markt, schaffe damit Ar­beit­s­plätze und senke die struk­turelle Ar­beit­s­losigkeit.

Deut­liche Worte ge­gen Nov­el­lierung

Thomas Hetz, Hauptgeschäftsführer des Bundesarbeitgeberverbandes der Personaldienstleister
Tho­mas Hetz, Haupt­geschäfts­führ­er des Bun­de­sar­beit­ge­berver­ban­des der Per­so­nal­di­en­stleis­ter

Die Auswirkun­gen der An­fang April in Kraft ge­trete­nen Ge­setzes­nov­el­lierung sie­ht der Ver­band kri­tisch: „Mit Ein­führung der Ge­setzesän­derun­gen in der Ar­beit­neh­merüber­las­sung, die ab dem 1. April gel­ten, wird die Flex­i­bil­ität am Ar­beits­markt deut­lich eingeschränkt und damit die deutsche Wirtschaft ge­brem­st“, sagt Hetz. „Diese erneuten Ein­schränkun­gen sind nicht nur für Per­so­nal­di­en­stleis­ter und Kun­de­nun­terneh­men, son­dern auch vor allem für Zei­tar­beit­neh­mer kon­trapro­duk­tiv. Den­noch wird sich die Zei­tar­beit auf die verän­derten Rah­menbe­din­gun­gen ein­stellen, denn die Branche hat ihre Flex­i­bil­ität schon wieder­holt un­ter Be­weis gestellt.“

Miri­am Leschke | re­dak­tion@nied­er­rhein-ma­n­ag­er.de

Ausgabe 05/2017